“F*** mate, it’s so bloody hilly here in Brissie! …”
Das meinte heute ein australischer Mitpraktikant zu mir, als er von seinem nächtlichen Versuch heimzujoggen erzählte.
Und er hat wirklich recht damit! Hier gibt’s mehr Hügel als auf einem Streußelkuchen - teilweise mit Steigungen, das würde in Deutschland in langer und teurer Arbeit planiert werden!
Doch worauf ich eigentlich hinaus will, ist der Unterschied zwischen der englischen und der deutschen Art zu denken.
Oder hat schonmal jemand in Deutschland gesagt: “Und dann hat er sich aus der Zwickmühle heraus-McGyvert”? (siehe z.B. in Google)
Hier nun also ein kleiner Abriss über meine bisherigen Studienergebnisse:
Im Deutschen distanzier ich mich von einem Ding und analysier es von aussen (kommt das vll. von den griechischen Philosophen?) - z.B. einen Kasten, den ich “Schrank” nenn - an diese Bezeichnung bau ich dann je nachdem wofür das Ding ist “Kühl-”, “Kleider-”, “Geschirr-”, etc.
Dadurch entstehen unter Umständen natürlich elendig lange Wörter die jeden englisch-Muttersprachler zur Verzweiflung bringen. =D
Dafür hat man dann aber auch ein exakt beschriebenes Ding, über das ich mit anderen Diskutieren kann.
Im Englischen läuft das ein wenig anders. Hier gibt es kaum zusammengesetzte Wörter wie bei uns, sondern “a fridge” (Kühlschrank), “a wardrobe” (Kleiderschrank) oder “a cupboard” (Geschirrschrank). Es gibt also für jedes Ding ein komplett eigenständiges Wort, welches beschreibt was das Ding tut.
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein (ich liebe diese Einleitung *g*), dass das Ding dabei einfach bei der Funktion benannt und nicht von aussen betrachtet wird.
Und hier muss auch irgendwo der Link für die Krux in dem Ganzen liegen. Denn wenn unsereins eine Sache diskutiert, wird sie von aussen betrachtet und so lange auseinander genommen und wieder neu zusammengebaut (analysiert und diskutiert) bis das Problem gelöst ist. Im Englischen ist das nicht so einfach - der Gesprächspartner wird sich sofort persönlich angegriffen fühlen wenn man sagt: “So ist das aber nichts gescheites!” und zum absolut vernichtenden Gegenschlag ausholen (da gibt es wirklich kein halten mehr! Da gilt es nurnoch den Gegner zu vernichten und es gibt wohl auch nur in den seltensten Fällen danach noch eine gescheite Zusammenarbeit; Man werfe bei Gelegenheit mal einen Blick auf die hiesigen Scheidungsraten)
Als Folge daraus geht man Probleme hier wohl von hinten durch’s Auge an: “Könnte man nicht vielleicht unter Umständen überlegen, ob das auch eine Idee wäre…?” (so ganz hat sich mir und anderen die hier schon viele Jahre sind das noch nicht erschlossen…)
Da es, wenn es soweit ist, so absolut und kompromisslos eskaliert, geht man allen möglichen Konfrontationen natürlich so lange wie nur möglich aus dem Weg. So bekommt man sofort ein “sorry mate” zu hören, wenn man nur ganz leicht im Bus berührt wird oder jemand “im Weg steht” (Die altbekannte englische Höflichkeit).
Auch habe ich schon von einigen Meetings gehört wo alle Beteiligten stumm dasitzen und dem Chef alles abnicken ohne auch nur ein Wort über den Sinn des Ganzen zu verlieren.
Glücklicherweise ist mir das aber noch nicht passiert - ich komm bisher mit allen wunderbar aus! =)
Danke an dieser Stelle auch an Alex und Kenneth, dank denen ich dieses Kultur-Bild während unseren zahlreichen Diskussionen bilden konnte.
So - und nun lasst mal hören wie ihr darüber denkt, bzw. was ihr wisst!
Gibt es auch auf dem europäischen Kontinent Unterschiede? Wie läuft das z.B. in China? Das letzte mal als wir die Besitzerin von unserem Stamm-Mittags-Restaurant (Schon wieder so ein zusammengebautes, deutsches Wort ;-)) gefragt haben, hab ich ihren Gedankengängen nicht wirklich folgen können.
Kann mich jemand bestätigen - oder widerlegen? Raus mit der Sprache! =)
4 Kommentare
Eine Nachricht hinterlassen

Naja also so ganz zustimmen kann ich da jetzt aber nicht mit den eigenen Wörtern für alles im englischen. Alleine schon das Beispiel cup board ist ja aus 2 Wörtern zusammen gesetzt. Auch wardrobe ist aus ward und robe zusammengesetzt auch wenn die einzelnen Bedeutungen nicht direkt das gleich meinen. Aber insgesamt sind die Engländer/Australier/ Amerikaner etc… schon etwas kreativer was Ausdrücke und Namen angeht. Und das die deutschen analytischer, zerstückelnder und direkter als viele andere sind da sind wir uns ja eh einig. Also immer weiter mit der Völkerverständigung…
Ich haette vielleicht auch ein laengeres Beispiel nennen sollen - z.B. wirst du im Englischen kaum einen “Linienbusfahrer” finden (Laut Leo Dictionary ist der Linienbus alleine schon ein “normally scheduled public-transit bus”).
Was ich zeigen wollte: Englisch funktioniert nicht wie Deutsch nach einem Baukastensystem, sondern es gibt fuer fast alles ein eigenens Wort (weshalb der englische Wortschatz auch einige male groesser als der deutsche ist).
Einen grossen Vorteil bringen so viele Woerter beim Texte schreiben, da man vieel mehr Moeglichkeiten hat etwas zu umschreiben (hat mir ganz beigeistert eine englische Autorin hier gesagt).
Vielleicht brauchen die Leute hier deshalb auch nicht 5 geschachtelte Nebensaetze um ihren Gedanken in Form zu giessen? ;-D
Hey Georg!!
Erstmal vielen Danke für die Geburtstagsgrüße!!
Hast du eigentlich auch versucht, mich anzurufen - auf dem AB hatte ich so den Eindruck, wenn auch nur max. 50% ankamen, da (soweit mein Beitrag zu den Verständigungsschwierigkeiten) die Verbindung sehr schlecht war…
Naja, sonst bin ich recht beeindruckt von deinen Theorien hier, aber ähnlich tiefgründige Beiträge fallen mir gerade nicht ein. Jedenfalls würde Jura ohne diese schönen Konstruktionen wohl nur halb so viel Spaß machen - ich sag nur Steuervergünstigungsabbaugesetz, Untersuchungshaftvollzugsordnung, Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, Einkommensteuerdurchführungsverordnung oder Bundesmeldedatenübermittlungsverordnung usw.!
Ich hoffe Dir geht’s weiter gut in Australien - wann kommst Du denn eigentlich zurück? - und wir sehen uns bald mal wieder!
Vg Sebastian
vielen Dank (!) ;)