Mai, 2007
Trockenzeit und Regen
Wie manche schon mitbekommen haben, ist der australische Winter ja auch die Trockenzeit in diesem Lande.
Mittlerweile haben wir hier in Brisbane auch schon Water Restriction Level 5 - das bedeutet kein Garten gießen mit dem Schlauch mehr, nurnoch 140 Liter Wasser pro Person pro Tag, etc. (für Australier scheint das schon sehr einschränkend zu sein! - die haben’s ja noch nicht so mit dem Umweltschutz…)
Jetzt hat es seit vielen Wochen mal wieder geregnet - und das sogar die letzten drei Nächte und heute den Tag über immer wieder!
Und um diesen Regen aufzufangen wurden um Brisbane herum Dämme gebaut. Das sind wirklich große Dinger und Regen geht hier wirklich ab, weil die Häuser so hellhörig sind klingt das als würde man im Auto sitzen.
Nunja, doofer weise nur stehen die Dämme aber nicht an den geschicktesten Stellen, denn so hat es heute nacht am Flughafen ganze 37mm Regen runtergehauen und an den Dämmen kamen wieder nur ganze 3mm an… und da das fast immer so läuft werde ich wohl noch die ein oder andere Erhöhung des Restriction Levels erleben. =)
Übrigens: Wenn jeder Brisbaner seinen Duschwasserkonsum am Morgen auf 4 Minuten einschränken würde, würde die Stadt schlappe 32 Millionen Liter Wasser jeden Tag einsparen - noch Fragen? =)
Bier her, Bier her…!
Gestern Nachmittag haben wir endlich wieder etwas zur Steigerung unserer Lebensqualität geschaffen - wir haben Bier angesetzt!
Wie in der Gallerie zu sehen ist, muss man dazu erst mal putzen, alles muss möglichst steril sein. Dann einfach der Doseninhalt mit Wasser, Zucker und Hefe in ein Fass, möglichst gut die 25 Grad einhalten und warten bis sich die Hefe im eigenen Alkohol ertränkt (was für ein Tod… =/).
Nach ungefähr einer Woche wird das Ganze dann in ein anderes Fass gefüllt und darf dort reifen.
Tjaaa, und dann *JEEHAA* gibt’s mal wieder guuutes Bier, direkt aus dem Kühlschrank gezapft! =D
Australische Friseure
Heute war es endlich so weit: Nach über drei Wochen ständigen Versuchens hab ich es endlich zum Friseur geschafft!
Natürlich nicht zum ersten mal, doch heute hatte er sogar offen, hat nicht eher zu gemacht, ich wurde in der Arbeit nicht aufgehalten und es waren keine anderen wartenden Kunden da - Wahnsinn! ;-)
Somit ging endlich eine lange Leidensgeschichte mit einer 13 Dollerinvestition (~9 Euro) bei einem alten, griechischen Friseur zu Ende.
Das Ergebnis: Eine sehr interessante Haarschneidetechnik, eine kleine Geheimratsecke auf der linken Seite und einige Kollegen die mich überhaupt nicht mehr erkennen. :-D
Ganz großes Thema heute: Das Footymatch zwischen Queensland und einem anderen Bundesstaat Australiens hier im Stadion. (hiermit oute ich mich als absoluter Outsider ohne Ahnung) Die Karten sind seit Monaten ausverkauft und alle sprechen über das Spiel.
Vielleicht schauen wir nacher mal rein im TV und ins Stadion müsste man eigentlich auch mal - die Stimmung ist sicher sehr nett, wenn die Spieler gegen eine Wand rennen, hinfallen, aufstehen, wieder gegen eine Wand rennen, …
“Just a couple of hours…”
WTF?! (für alle nicht-internet-affinen: “What the fuck” - Was zur Hölle!?) Dachte ich mir da, da hast du bloody german Holldoll mal wieder irgendwas falsch verstanden. Doch Boris gab mir recht: “Wir müssen nur mindestens 2 Stunden warten…”
Bitte was?! Das kann doch nicht sein! Aber gut… - fremdes Land, keine weiteren Fragen, warten und beobachten.
Zum einen warten auf den anscheinend einzigen Arzt der heute Dienst hat (ich hab im Laufe des Abends immerhin 2 rumlaufen sehen), zum anderen beobachten wir die anderen Leute und natürlich ganz besonders unsere Patientin: Kim.
Sie hatte gestern Abend einen Autounfall… natürlich wie Murphy es will, genau dann, wenn ich mit Boris knapp eine Stunde vor Brisbane unterwegs bin um einen Kühlschrank abzuholen.
Wir nach der Nachricht also heimgestoben und Kim angetroffen, als sie gerade vom Abschleppwagen heimgebracht wurde.
Zu dem Zeitpunkt tat der mögliche Verlust des Autos natürlich noch viiieeel mehr weh als mögliche eigene Verletzungen, weshalb wir sie für einen Check zur Notaufnahme gebracht haben.
“Just a couple of hours…” - na wenn’s sonst nichts ist, ist ja nur eine Notaufnahme…
(Es war nichts besonderes los, nur Standardverletzungen wo die Leute noch selbst hingefahren sind)
Immerhin waren sie aber so nett und haben Decken verteilt - so musste ein älterer Mann nicht ganz auf dem blanken Boden schlafen. Wow! Erst hab ich an Dr. House und Co. gedacht, als da dieser Mann am Boden liegt und versucht, sich mit der viel zu kleinen Decke etwas zu wärmen. (man kennt diese Filmszenen mit den UltraEpidemien, wo alles voller Leute gestapelt wird) Dabei scheint das hier relativ normal zu sein… echt krass.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch der Junge, der fast genauso lange wie wir gewartet hat und angesichts seines komplett eingegipsen, rechten Armes wohl die ganze Zeit mit einem gebrochenen Arm im Warteraum gesessen ist.
Doch zurück zum wichtigsten, unserer Patientin: Als der Adrenalinspiegel runter ging wurde ich noch etwas schlecht und Kopfschmerzen hat sie auch bekommen, aber sonst ist alles in bester Ordnung! *pueh*
Das hat dann auch der Arzt nach gut zwei-einhalb Stunden warten festgestellt (Glück für uns: 3 Patienten die vor uns aufgerufen wurden waren schon nicht mehr da - das hat das Ganze doch ganz nett beschleunigt) - aber egal, für solch eine Diagnose wartet man doch gerne mal ein bisschen länger! :-)
Boris hat sogar noch andere Krankenhäuser angerufen, ob bei ihnen weniger los wäre… keine Chance.
Nur eine Privatklinik hatte nichts zu tun - da kostet aber auch das ‘nur mal anschauen’ alleine schon über 150€…
Nunja, gerade eben sind die beiden losgefahren um das Auto anzuschauen und der Werkstatt zu sagen, warum es vor ihrer Tür steht (kann mit ein bisschen Glück wohl repariert werden) und ich werde mich jetzt in den Casual Friday stürzen.
Fish and Chips zum Mutter(Sams)tag
Heute Mittag sind wir an die Küste (Cleveland) zum vorgezogenen müttertäglichen Fish and Chips - Essen gefahren, um uns dort mit Gabi und ihrer Mutter zu treffen.
Das ausgesuchte Restaurant war aber nicht nur irgendein Restaurant, nein, es war das angeblich beste in der ganzen Umgebung (”Umgebung” bedeutet in Australien wohl ungefähr in einem Umkreis von der größe Deutschlands… ;-)) - und es war wirklich gut! Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben mit so viel Genuss solche Mengen Fisch verdrückt! Waaahnsinn! =)
Vielleicht auch noch zu erwähnen die Lage des Restaurants: Am letzten Ende eines Landausläufers direkt am Wasser (zumindest bei Flut *g*) mit Blick über das Meer und auf Stradbroke Island.
Auf dem Rückweg in die Stadt haben wir noch einen Generator abgeholt, wobei unser Auto von einem Wesen aus dem Busch angegriffen wurde!
Glücklicherweise aber hat es nur die Ladefläche und den Generator erwischt, so dass wir wohlbehalten wieder nach Hause gekommen sind.
Mit Buddha Geburtstag feiern
Letztes Wochenende fand Freitag bis Sonntag in SouthBank (dem Stadtteil wo ich auch arbeite) das “Buddha Birthday Festival” statt.
Das bedeutete viele tolle Shows (z.B. Kung Fu, Drachentanz), Gaukler, Musikanten, chinesisches Essen, Feuerwerke, und und und…
(Ich habe sogar an einer buddhistischen Zeremonie des “Licht anbietens” teilgenom- men *ins erzkatholische Bayern wink* ;-D)
Samstag und Sonntag Abend war jeweils ein 15-Minütiges Feuerwerk über dem River, bei denen ich natürlich einen großen Haufen Fotos gemacht habe! (1200 um genau zu sein - davon sind aber schon wieder fast 1000 aussortiert/gelöscht).
Am Samstag Abend gab es noch einen dieser kleinen magischen Momente hier:
Am einen Ende des Geländes hat eine (ziemlich gute) Band ihr Programm zu Ende gespielt (bzw. sehr gut improvisiert), als ein gut gelaunter (angetrunken wohl eher nicht, weil das Fest keine Alkohollizenz hatte) Junge vor der Bühne angefangen hat zu tanzen.
Dazu muss man wissen, dass hier alle vor der Bühne auf Stühlen sitzen und interessiert zuschauen, sich aber keinen Millimeter bewegen. Doch diesmal war es anders - der einzelne Tänzer wurde ziemlich schnell von einigen weiteren Jugendlichen gejoined, die ihren wahnsinnig guten Breakdance zum besten gegeben haben.
Aber damit noch nicht genug - eine ganzer Haufen Chinesen hat daraufhin auch das Tanzen angefangen und so wurden es immer und immer mehr, bis am Ende quasi alle Kontinente zusammen zur Musik rumsprangen - irgendwie einfach genial! =)
Ach ja - am Sonntag hab ich noch einen innerchinesischen Krieg ausgelöst! =D
Als einige Chinesen mit einigen Gasgeüllten Luftballons vor uns hergelaufen sind, konnte ich nicht widerstehen und habe einen Ballon dem vor mir laufenden Chinesen auf den Hinterkopf geschlagen. *harhar*
Dieser hat mich erst etwas irritiert angeschaut, die Idee dann aber mit Begeisterung aufgenommen und gleich mal bei einem seiner Landsleute angewandt. Und dann war alles zu spät, plötzlich haben sich mehr und mehr Chinesen gegenseitig mit Luftballons beharkt - ein riesiger Haufen kindischer Erwachsener, irgendwie total süß! =D
Wir haben uns natürlich rechtzeitig gekonnt über einen kleinen Seitenweg abgesetzt und die Ganze Eskalation aus gebührender Entfernung beobachtet! ;-)
Und da der Sonntag ein Feiertag war, und dieser in so einem Falle hier dann nachgeholt wird, war Montag auch frei! =D
Hier war ich mit Kim und Maureen bei O’Reillys, einem Regenwaldreservoir 100km südlich von Brisbane. Leider waren wir aber ein bisschen spät dran, weshalb wir nicht mehr viel anschauen konnten. (Tree-Top-Walk: Hängebrücken durch die Baumkronen waren aber drin! - Klingt allerdings nach mehr, als es wirklich ist…)
Ein längerer Besuch (mit tollen Fotos) wird aber nachgeholt und für diesmal waren allein schon die Ausblicke während der Fahrt seeeehr schön!
“F*** mate, it’s so bloody hilly here in Brissie! …”
Das meinte heute ein australischer Mitpraktikant zu mir, als er von seinem nächtlichen Versuch heimzujoggen erzählte.
Und er hat wirklich recht damit! Hier gibt’s mehr Hügel als auf einem Streußelkuchen - teilweise mit Steigungen, das würde in Deutschland in langer und teurer Arbeit planiert werden!
Doch worauf ich eigentlich hinaus will, ist der Unterschied zwischen der englischen und der deutschen Art zu denken.
Oder hat schonmal jemand in Deutschland gesagt: “Und dann hat er sich aus der Zwickmühle heraus-McGyvert”? (siehe z.B. in Google)
Hier nun also ein kleiner Abriss über meine bisherigen Studienergebnisse:
Im Deutschen distanzier ich mich von einem Ding und analysier es von aussen (kommt das vll. von den griechischen Philosophen?) - z.B. einen Kasten, den ich “Schrank” nenn - an diese Bezeichnung bau ich dann je nachdem wofür das Ding ist “Kühl-”, “Kleider-”, “Geschirr-”, etc.
Dadurch entstehen unter Umständen natürlich elendig lange Wörter die jeden englisch-Muttersprachler zur Verzweiflung bringen. =D
Dafür hat man dann aber auch ein exakt beschriebenes Ding, über das ich mit anderen Diskutieren kann.
Im Englischen läuft das ein wenig anders. Hier gibt es kaum zusammengesetzte Wörter wie bei uns, sondern “a fridge” (Kühlschrank), “a wardrobe” (Kleiderschrank) oder “a cupboard” (Geschirrschrank). Es gibt also für jedes Ding ein komplett eigenständiges Wort, welches beschreibt was das Ding tut.
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein (ich liebe diese Einleitung *g*), dass das Ding dabei einfach bei der Funktion benannt und nicht von aussen betrachtet wird.
Und hier muss auch irgendwo der Link für die Krux in dem Ganzen liegen. Denn wenn unsereins eine Sache diskutiert, wird sie von aussen betrachtet und so lange auseinander genommen und wieder neu zusammengebaut (analysiert und diskutiert) bis das Problem gelöst ist. Im Englischen ist das nicht so einfach - der Gesprächspartner wird sich sofort persönlich angegriffen fühlen wenn man sagt: “So ist das aber nichts gescheites!” und zum absolut vernichtenden Gegenschlag ausholen (da gibt es wirklich kein halten mehr! Da gilt es nurnoch den Gegner zu vernichten und es gibt wohl auch nur in den seltensten Fällen danach noch eine gescheite Zusammenarbeit; Man werfe bei Gelegenheit mal einen Blick auf die hiesigen Scheidungsraten)
Als Folge daraus geht man Probleme hier wohl von hinten durch’s Auge an: “Könnte man nicht vielleicht unter Umständen überlegen, ob das auch eine Idee wäre…?” (so ganz hat sich mir und anderen die hier schon viele Jahre sind das noch nicht erschlossen…)
Da es, wenn es soweit ist, so absolut und kompromisslos eskaliert, geht man allen möglichen Konfrontationen natürlich so lange wie nur möglich aus dem Weg. So bekommt man sofort ein “sorry mate” zu hören, wenn man nur ganz leicht im Bus berührt wird oder jemand “im Weg steht” (Die altbekannte englische Höflichkeit).
Auch habe ich schon von einigen Meetings gehört wo alle Beteiligten stumm dasitzen und dem Chef alles abnicken ohne auch nur ein Wort über den Sinn des Ganzen zu verlieren.
Glücklicherweise ist mir das aber noch nicht passiert - ich komm bisher mit allen wunderbar aus! =)
Danke an dieser Stelle auch an Alex und Kenneth, dank denen ich dieses Kultur-Bild während unseren zahlreichen Diskussionen bilden konnte.
So - und nun lasst mal hören wie ihr darüber denkt, bzw. was ihr wisst!
Gibt es auch auf dem europäischen Kontinent Unterschiede? Wie läuft das z.B. in China? Das letzte mal als wir die Besitzerin von unserem Stamm-Mittags-Restaurant (Schon wieder so ein zusammengebautes, deutsches Wort ;-)) gefragt haben, hab ich ihren Gedankengängen nicht wirklich folgen können.
Kann mich jemand bestätigen - oder widerlegen? Raus mit der Sprache! =)
Comment ca va?
Letzten Sonntag haben wir unseren ‘Nachwuchs’ bekommen: Maureen aus Bordeaux vervollständigt nun unsere 3er-WG.
Sie arbeitet an der University of Queensland im Bereich Materialwissenschaften.
Was genau kann ich noch nicht sagen, da sie noch ein wenig still ist - lassen wir sie also erst nocht ein wenig einleben. ;-)
Leider musste ich aber schon feststellen, dass mein Französisch sehr eingerostet ist.
Also - passives Verstehen ist nach wie vor kaum ein Problem, aber der aktive Wortschatz ist so zusammengeschrumpft - Wahnsinn! - ich muss, wenn ich wieder in Deutschland bin, wirklich mal wieder rüber fahren und üben!
Nettes Detail: Heute Nachmittag hatten wir eine Telefonkonferrenz mit einem Firmenchef, der eigentlich in einem Brisbaner Stadtteil wohnt, die letzten Jahre aber in Frankfreich arbeitet - irgendwie verwirrend… :-)
